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Wie man Riesen bezwingt

Mai 2023   /  A+ | a-
Ein verzagtes Herz wird trotz allen Könnens geschlagen: Umgang mit Angst und Selbstzweifeln

Ist Ihnen schon mal passiert, dass Sie sich auf einen wichtigen Termin vorbereitet haben, tagelang, wochenlang oder vielleicht monatelang, und trotzdem mit jedem Tag, an dem der Termin näher rückte, nervöser wurden? Lassen Sie uns einen Sprung in die Fechthalle machen, um exemplarisch einen Freikampf zu betrachten. Eine Grundregel im taktischen Aufbau eines Zweikampfes lautet: Bevor Sie angreifen, sollten Sie so viel wie möglich über Ihren Gegner herausfinden. Im Fechten geschieht dies technisch, indem man den Gegner ausforscht und ein wenig provoziert, um seine Taktiken kennenzulernen und die eigene Strategie darauf aufzubauen.

Der Ursprung der Fechtkunst

Die Prinzipien, die wir heute in der Fechthalle trainieren, haben ihre Ursprünge im 14. und 15. Jahrhundert. Damals gab es sogenannte gerichtliche Zweikämpfe, bei denen vor Gericht eine Schuldfrage ausgefochten wurde. In den Fechtbüchern jener Zeit findet man spannende Abbildungen, die zeigen, wie sich die beiden Protagonisten mit ihren Särgen und zwei Sekundanten treffen, während ein Richter das Ganze beaufsichtigt. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie viel Druck auf den Kämpfern lastete. Ein mittelalterlicher Fechtmeister schrieb in seinem Fechtbuch: „Ein verzagtes Herz wird trotz allen Könnens geschlagen.“

Das ist sehr aufschlussreich, denn Können bedeutete damals wie heute, dass man vorbereitet ist. Dennoch sagt der Fechtmeister, dass man trotz aller Vorbereitung unterliegen kann, wenn das Herz verzagt ist. An anderer Stelle schreibt er: „Erschrickst du gern, kein Fechten lern!“ Wenn Sie Angst haben, dann hilft Ihnen alles Können nicht, Sie werden unterliegen. In unserer modernen Welt sind wir glücklicherweise selten in solch angsteinflößenden Situationen. Wir bereiten uns auf Prüfungen oder Vorträge vor, indem wir unser Wissen und unsere Expertise erhöhen. Und doch kennen wir das Unbehagen vor einer Herausforderung.

Die Rolle der Angst und Ungewissheit

Wenn wir gut vorbereitet sind und dennoch eine Prüfungssituation vor uns haben, die wir nicht einschätzen können, verspüren wir möglicherweise Angst. Unser Gehirn hasst unbekannte Situationen und schlägt Alarm. Diese Ungewissheit kann dazu führen, dass wir trotz unserer Vorbereitung nicht auf unsere Ressourcen zugreifen können. In der modernen Fechthalle ist es deshalb wichtig, den Gegner genau zu beobachten und so viele Informationen wie möglich zu sammeln, um die Situation greifbarer zu machen. Je mehr Sie wissen, desto besser können Sie Ihre Ressourcen nutzen.

In meinen Seminaren zur mentalen Stärke bringe ich den Teilnehmern nicht nur die Grundhiebe und Paraden bei, sondern auch, wie man in Zweierübungen Paraden prüft. Dabei mache ich einen Hieb und die Teilnehmer müssen diesen so parieren, dass sie sicher sind. Anschließend simuliere ich den gleichen Angriff, lasse ihn aber intensiver und kraftvoller erscheinen. Die Teilnehmer bekommen große Augen, erschrecken sich und das Resultat: Die Parade bleibt aus! Trotz des Wissens, wie man reagieren sollte und trotz der Gewissheit, dass das Seminar ein sicherer Ort ist, verhält sich der/die Bedrängte instinktiv - und verharrt angesichts der scheinbar großen Gefahr in einem Gedanken:

Der „Was wäre wenn?“-Gedanke

Diese Übung zeigt, wie die Frage „Was ist, wenn?“ uns sabotieren kann. „Was ist, wenn der Hieb wirklich so schnell kommt?“ „Was ist, wenn ich nicht schnell genug pariere?“ Diese Gedanken führen dazu, dass wir keinen Zugriff auf unsere Fähigkeiten haben, obwohl wir sie besitzen. Das lässt sich auch auf den Alltag übertragen: Wie oft haben wir diese Frage im Kopf? Diese Unsicherheit kann dazu führen, dass wir die Situation größer machen, als sie ist, oder uns selbst kleiner sehen.

Erlauben Sie mir, einen kleinen Ausflug in eine Geschichte zu machen, die viele sicherlich noch aus Ihrer Kindheit kennen: Lukas der Lokomotivführer. Eines Tages trifft er auf einen augenscheinlichen Riesen und bekommt es mit der Angst zu tun. Doch je näher dieser Riese kommt, desto kleiner wird er, bis er direkt vor Lukas steht und ihm in Größe ebenbürtig ist. Er stellt sich als „Scheinriese“ vor. Diese Metapher weist darauf hin, dass wir oft Unbekanntes größer machen, als es ist - und im Zuge dessen lieber schon im Vorfeld das Weite suchen. Unser Gehirn speichert solche Erfahrungen ab und auch beim nächsten Mal vermeiden wir große Herausforderungen, weil wir denken, sie nicht meistern zu können.

Die richtige Perspektive einnehmen

Es ist wichtig, in der Vorbereitung auf Herausforderungen zwei Dinge zu berücksichtigen: Erstens die fachliche Vorbereitung und zweitens, wie wir auf die bevorstehende Aufgabe blicken. Fehlen uns Informationen? Haben wir Ängste, die wir hinterfragen sollten? Blicken wir auf einen realen Berg oder einen Scheinriesen? Es ist wichtig, mit frohem Mut und gutem Gewissen voranzugehen und zu prüfen, ob die Herausforderungen wirklich so groß sind, wie sie erscheinen.

Ein verzagtes Herz wird trotz allen Könnens geschlagen. Aber ein fröhliches, mutiges Herz, das ohne Furcht agiert, kann große Ziele erreichen. In diesem Sinne lade ich Sie ein, mutig voranzugehen und Ihre Herausforderungen anzugehen. Prüfen Sie, ob es wirklich ein Riese ist oder nur ein Scheinriese.

Meine Podcast-Folge dazu finden Sie hier und unter https://christianbott.de/podcast. Ich lade Sie ein, meinen Podcast zu abonnieren; so kann Ihnen in den kommenden Folgen noch mehr aus dem Land der Riesen erzählen. 

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und bis zum nächsten Mal,
Ihr Trainer und Coach
Christian Bott.




Bild von Stefan Klee auf Pixabay
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Christian M. Bott

Fechthalle & Büro:
Flößerstraße 12
D-68535 Edingen-Neckarhausen (bei Heidelberg)
E-Mail: mail@christianbott.de
Telefon: 06221 18778540 (Bitte zuvor Termin abstimmen)

Christian M. Bott

Fechtmeister ADFD
Speaker & Autor
Personal Coach XPAND
Business Coach MAY
Mediator MAY (zert.)
Fachsportlehrer DSLV

 

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