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Grenzen verteidigen

Jan 2024   /  A+ | a-

Entdecken und Verteidigen Sie Ihre Grenzen: Ein Leitfaden für den Alltag

Heute möchte ich Ihnen eine Frage stellen, und vielleicht nehmen Sie sich am Anfang kurz Zeit, darüber nachzudenken. Was sind Ihre Grenzen?

Über welche Grenze haben Sie gerade nachgedacht? Haben Sie darüber nachgedacht, was Sie begrenzt? Das wäre allerdings nicht ganz im Sinne meiner Frage, denn ich habe Sie nicht nach der Grenze gefragt, die von außen aufgestellt wird, die Sie beschränkt und Ihnen sagt, da bitte nicht drüber hinweg. Ich habe Sie nach Ihrer Grenze gefragt. In dem Wort „Ihr“ steckt, dass Sie diese selbst ziehen und letzten Endes auch verwalten müssen. Ihre Grenzen sind die, über die andere nicht hinweg dürfen. Und zwar nicht, weil es in irgendeinem Gesetz steht – ja, das auch – aber vor allem, weil Sie selbst sagen, bis hierhin und nicht weiter. Sagen Sie das?

Die Notwendigkeit, eigene Grenzen zu setzen

Eine Grenze ist nicht einfach nur da. Sie muss irgendwann mal gesetzt worden sein. Ihre Grenze können nur Sie selbst für sich ziehen, zumindest ab einem gewissen Alter. Haben Sie das getan? Gibt es diese Grenze, an der andere wissen, dass sie hier nicht drüber hinweggehen sollten? Und wie sieht das überhaupt aus? Wie verteidigen wir unsere Grenzen?

Fechten als Metapher für Grenzsetzung

Lassen Sie mich Sie wieder in meine Fechthalle mitnehmen. Als Fechtmeister trainiere ich Leute für Freikämpfe, für Wettkämpfe oder nehme auch selbst daran teil. Stellen wir uns Folgendes vor: Sie stehen mit Ihrem Schwert vor jemand anderem und sind weit auseinander, sodass Sie sich nicht bedroht fühlen. Natürlich haben Sie schon Fechten gelernt und sind dank eines guten Unterrichts relativ sicher in der Thematik. Jetzt kommt derjenige auf Sie zu. Irgendwann gibt es einen Moment, in dem Sie nicht mehr entspannt sind, in dem Sie aufmerksam und angespannt werden. Ich nenne das im Freikampftraining gerne den Aufmerksamkeitsbereich. Das ist der Bereich, in dem Kommunikation stattfindet. Das, was Ihr Gegenüber tut, hat Auswirkungen auf Sie und umgekehrt. Dieser Bereich ist aber eben nur ein Aufmerksamkeitsbereich. Hier findet die meiste Zeit des Freikampfes statt. Wenn der oder diejenige weiter nach vorn geht, gibt es einen Moment, in dem Sie das Gefühl haben, Sie möchten etwas verändern. Sie wollen entweder weg oder denjenigen schlagen. Es passiert etwas in Ihnen, das eine Aktion auslöst. Diesen Bereich nenne ich im Freikampftraining gerne den Aktionsbereich.

Grenzbereiche im Alltag erkennen

Ein kurzer Exkurs: Diesen Bereich gibt es nicht nur in der Fechthalle. Probieren Sie das einmal im Alltag. Stehen Sie an der Bushaltestelle und möchten jemanden fragen, wann der nächste Bus fährt. Wie nähern Sie sich dieser Person? Gehen Sie so nah heran, dass nur noch eine Handbreit zwischen Ihren Nasenspitzen ist und fragen dann? Dann stehen Sie tief im Aktionsbereich des anderen. Das werden Sie sofort merken. Keine Angst, die meisten treten einen Schritt zurück und fragen vielleicht, ob Sie ein Problem mit Nähe haben. Aber Sie verstehen, was ich meine. Es gibt einen Bereich, in dem wir das Gefühl haben, hier ist es zu nah.

In der Selbstverteidigung spricht man von der Komfortzone, ebenso in der Kommunikation. Dieser Komfortbereich ist der Nahbereich, in dem man niemanden haben möchte. Solange wir körperlich agieren – sei es im Schwertkampftraining oder an der Bushaltestelle – können wir das räumlich wahrnehmen und sofort spüren. Jeder von uns kennt das. Wenn wir jedoch in einem diffuseren Bereich sind, im alltäglichen Miteinander, spürt man das nicht immer. Das ist das Perfide daran. An der Bushaltestelle oder im Schwertkampftraining können Sie jederzeit sagen, dass es Ihnen unangenehm wird und die Situation verändern. Sie bitten den anderen, zurückzutreten oder im Schwertkampf tun Sie das auf anders verbale Weise. Im Alltag ist das schwieriger.

Offensivität vs. Aggressivität

Wenn jemand auf Sie zukommt – bleiben wir im plastischen Bild – und so nah herankommt, dass es Ihnen zu nah ist, kann das auch eine Übergriffigkeit in einem Gespräch sein. Dann wird, wie an der Bushaltestelle oder im Schwertkampftraining, ein Gefühl ausgelöst, das sagt: „Ich möchte, dass du wieder gehst.“ Das ist eine offensive Aktion. Im Schwertkampf klar. Entweder Sie treten einen Schritt zurück und klären die Situation, oder Sie greifen an. Das ist legitim; wir sind ja beim Fechten. Im Alltag ist das nicht so einfach. Offensives Denken und Handeln empfinden wir in der Regel aufgrund unserer Erziehung als negativ. Es ist schwer, eine Grenze zu ziehen und klarzumachen, bis hierhin und nicht weiter. „Du stehst gerade in einem Bereich, der mir unangenehm ist. Ich möchte nicht, dass du mir so nah kommst.“ Das kann in vielen Bereichen passieren. Zum Beispiel im Verkaufsgespräch, in dem der Verkäufer nicht räumlich nah kommt, aber verbal zu schnell vorgeht und Sie überrumpelt fühlen. Das Überrennen kennen wir auch aus der Schlacht: Eine Reihe überrennt die andere. In einem Gespräch fühlen wir uns überrannt.

Grenzen in verschiedenen Lebensbereichen

Es gibt viele Situationen, in denen Menschen Ihre Grenzen überschreiten können. Lassen Sie mich ein Modell visualisieren, das ich gerne nutze. Stellen wir uns vor, Sie haben einen Bereich, in dem Sie zu Hause sind, dann gibt es an diesem Bereich angrenzend einen Vorgarten und dann einen Gehweg. Das heißt, wir haben mit dem Gehweg einen Bereich, in dem Menschen sich grundsätzlich bewegen können, dann gibt es den Bereich, an dem Ihr Privatgrundstück bereits beginnt, und dann gibt es Ihren innersten Bereich, in dem Sie wohnen. Warum haben wir diesen Vorgarten? Weil wir nicht möchten, dass Menschen direkt an unserem innersten Bereich sind. Wie merken nun Leute, dass Ihr Vorgarten nicht mehr Teil des Gehwegs ist? Ganz einfach, wir bauen einen Zaun. Das ist eine aktive Handlung.

Das Setzen und Verteidigen von Grenzen

Wenn wir diesen Zaun gebaut haben, wissen alle, dass sie dort nicht rüber dürfen. Das ist ein Kommunikationshelfer. Sie müssen nicht jeden Tag vorne am Grundstück stehen und allen erzählen, dass hier Ihr Vorgarten beginnt. Ihr Zaun macht für Sie die Arbeit. Im Alltag ist das natürlich nicht so. Da haben wir nicht diesen Zaun stehen. Menschen betreten manchmal unwissentlich unseren Vorgarten. Die einfachste Lösung ist, demjenigen freundlich zu sagen, dass er in Ihrem Vorgarten steht und bitten, einen Schritt zurückzutreten. Derjenige wird wahrscheinlich überrascht sein und sich entschuldigen. Wenn Sie es jedoch nicht kommunizieren, bleibt derjenige dort stehen, macht es sich bequem, und irgendwann staut sich bei Ihnen der Ärger auf.

Konsequenzen und der richtige Umgang mit Grenzen

Wenn Grenzen nicht kommuniziert werden, wird derjenige, dessen Grenze verletzt wird, immer wütender. Der Druck steigt, bis es irgendwann zum Ausbruch kommt. Die andere Person wird überrascht sein und nicht verstehen, was passiert ist, weil sie nicht wusste, dass sie eine Grenze überschritten hat. Sie könnten sich dann sogar schuldig fühlen, weil Sie zu lange gewartet haben, Ihre Grenze zu setzen. Es ist wichtig zu verstehen, dass offensives Verhalten, also das Setzen von Grenzen, nicht aggressiv ist. Im Gegenteil, es ist notwendig, um Übergriffe zu verhindern und ein gesundes Miteinander zu gewährleisten.

Ich möchte Sie einladen, sich über Ihre Grenzen klar zu werden und diese klar zu kommunizieren. Das fällt nicht immer leicht, besonders wenn man harmoniebedürftig ist. Doch es ist essenziell für ein gesundes Miteinander.

Fazit

Erstens, Sie dürfen und sollen Grenzen haben. Zweitens, es fällt vielen schwer, diese zu verteidigen, und damit sind Sie nicht allein.

Wenn Ihnen das schwerfällt, beginnen Sie mit kleinen Schritten. Sagen Sie in einfachen Situationen „Nein“. Üben Sie das Kommunizieren Ihrer Grenzen und beobachten Sie, wie andere reagieren. Oft ist die Reaktion weniger dramatisch, als Sie befürchten.

Sollten Sie auf Menschen stoßen, die Ihre Grenzen bewusst überschreiten, können wir uns in anderen Beiträgen hier im Blog oder im Podcast genauer anschauen, wie man damit umgeht. Fürs Erste lade ich Sie ein, ein liebevolles „Nein, danke“ zu üben und Ihre eigenen Grenzen zu entdecken und zu verteidigen. Ein „Nein“ für Ihr Gegenüber ist immer auch ein „Ja“ für Sie selbst.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim liebevollen Entdecken und Verteidigen Ihrer Grenzen.

Mehr dazu in meiner Podcast-Folge unten. Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, hinterlassen Sie doch gerne einen Kommentar und natürlich freue ich mich, wenn Sie meinen Podcast (https://christianbott.de/podcast) abonnieren.

Herzliche Grüße!

Ihr Trainer und Coach

Christian Bott




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Christian M. Bott

Fechthalle & Büro:
Flößerstraße 12
D-68535 Edingen-Neckarhausen (bei Heidelberg)
E-Mail: mail@christianbott.de
Telefon: 06221 18778540 (Bitte zuvor Termin abstimmen)

Christian M. Bott

Fechtmeister ADFD
Speaker & Autor
Personal Coach XPAND
Business Coach MAY
Mediator MAY (zert.)
Fachsportlehrer DSLV

 

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