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Eigenbewertungen aus den Augen anderer

Aug 2023   /  A+ | a-
Wenn Peinlichkeiten im Kopf bleiben: Ein Blick auf Selbstbewertungen

Wann ist Ihnen das letzte Mal vor einer Gruppe etwas richtig peinlich gewesen? Und wenn Sie dann mit den Leuten darüber gesprochen haben, haben Sie festgestellt, dass das gar keiner gemerkt hat oder es ganz anders bewertet wurde? Genau darum geht es mir hier - um Bewertungen und insbesondere um die Bewertungen, die aus uns selbst herauskommen.

Lassen Sie mich Sie zunächst in eine Szene mit hineinnehmen, die Ihnen vielleicht im übertragenen Sinne gar nicht unbekannt vorkommt. Wenn jemand in meiner Fechthalle das erste Mal im Training ist, also die erste Probestunde hat und mit den anderen mittrainiert, dann sehe ich oft in den Augen der Anfänger und Anfängerinnen, dass es ihnen unangenehm ist, mit den anderen zusammen in der gleichen Halle zu stehen und die ersten Schwertbewegungen zu machen. Kennen Sie das? Dass Sie mit etwas anfangen, das erste Mal Ihre ersten Versuche starten, und neben Ihnen sind andere, die das bereits können. Sie fühlen sich richtig ungeschickt. Sie kommen sich wie ein Anfänger vor und das ist kein schönes Gefühl.

Warum fühlen wir uns so?

Ich frage mich immer wieder, warum passiert das in uns? Genau genommen könnte man sagen, dass Sie völlig entspannt sein könnten, wenn Sie das erste Mal mit etwas anfangen und dabei Fehler über Fehler machen, denn Sie beginnen ja erst. Es gibt keine Erwartungen, und trotzdem möchten wir nicht schlecht abschneiden. Ist das nicht eigenartig? Dass wir in Situationen hineinkommen, in denen keine Erwartungen bestehen und trotzdem es uns peinlich ist, wenn wir Fehler machen?

Im Training lade ich die Leute immer ein, nicht meinen Job zu übernehmen, denn es ist meine Aufgabe, Sie zu bewerten. Und nicht Ihre Aufgabe, sich selbst - vor allem so negativ - zu bewerten. Auf welcher Grundlage? Sie fangen ja gerade erst an. Trotzdem machen wir das. Das Interessante daran ist der Blickwinkel, aus dem wir uns bewerten.

Eine häufige Situation

Stellen Sie sich vor, Sie dürfen eine Präsentation vor einer Gruppe halten, vielleicht in Form einer kleinen Vorlesung oder eines Fachvortrags. Sie bereiten sich gut vor, stellen Ihre Präsentation fertig, gehen in den Saal hinein und starten. Plötzlich sehen Sie in der ersten Reihe, dass jemand ein großes Fragezeichen in seinem Gesicht hat. Dann verzieht er das Gesicht und fängt an, mit seiner Nachbarin zu tuscheln, während beide ihre Blicke weiterhin auf Sie richten. Das ist unangenehm.

Jetzt fangen wir an, mit dem, was derjenige vermeintlicher Weise über uns denkt, uns selbst zu sabotieren. Und dabei beginnen wir eine ganze Reihe von Fehlern. Wir könnten etwa denken, dass derjenige bei unserem Vortrag vollkommen unzufrieden ist. Aber vielleicht denkt er etwas ganz anderes. Vielleicht war der Kaffee schlecht oder er hat über etwas anderes gesprochen, was ihm vorher passiert ist. Wir wissen es nicht, füllen diese Wissenslücke aber mit unseren eigenen negativen Gedanken.

Der Prozess der Selbstbewertung

Wenn uns die Informationen des Gegenübers fehlen, greifen wir auf unser eigenes Wissen zurück. In diesem vermeintlichen Wissenspool fallen Selbstbilder, Überzeugungen über uns selbst und Befürchtungen. All das zusammen erzeugt eine Bewertung, und das geht blitzschnell. Ohne, dass wir wirklich merken, was passiert, haben wir bereits eine Bewertung abgefeuert oder denken, dass wir entsprechend bewertet werden.

Ein weiterer Fehler, den wir dabei begehen, ist das Timing. Wir bewerten uns währenddessen! Diese Bewertungen gehören aber nicht in die gleiche Zeit wie die Performance. Sie lähmen uns und sorgen dafür, dass wir das, was wir eigentlich hervorbringen möchten, nicht mehr abrufen können.

Bewertungen auf später verschieben

Wenn Sie in einer Prüfungssituation sind oder vor einer Gruppe performen, dann denken Sie nicht währenddessen darüber nach, wie Sie auf das Publikum wirken. Diese Gedanken lähmen Sie nur. Fokussieren Sie sich auf etwas anderes. Im Schwertfechten ist es das tägliche Brot: Fokus, Fokus, Fokus. Das gilt auch im Alltag.

Deshalb lade ich Sie ein, sich gut vorzubereiten, und dann einfach durchzuziehen, was Sie tun möchten. Danach können Sie sich fragen, wie es war. Fragen Sie einen engen Freund oder jemanden, der auf Ihrer Seite ist, der Ihnen ein konstruktives Feedback geben kann. Meistens fällt das besser aus als das, was Sie sich womöglich selbst geben würden.

Abschließende Gedanken

Wir können nicht durch die Gedanken anderer denken. Wir können nicht in die Köpfe der anderen hineinblicken und wissen, was sie gerade denken. Wenn Sie das Gefühl haben, dass jemand negativ über Sie denkt, dann denken Sie daran, dass das meistens nur Ihre eigenen Befürchtungen sind - genährt durch Sorgen, unangenehme Erfahrungen, evtl. negative Selbstbilder oder Ängste. Solche Bewertungen haben bei Ihnen nichts verloren - und schon gar nicht während der Performance. Wenn Sie kritisch reflektieren möchten, dann tun Sie das gerne - aber bitte in der Zeit danach.

Bereiten Sie sich gut vor, fokussieren Sie sich auf etwas Positives, und zeigen Sie, was Sie können. Danach können Sie sich immer noch fragen, wie es war und daraus lernen.

Vielen Dank für Ihre Zeit. Ich wünsche Ihnen Gedanken, die künftig nicht um die Gedanken anderer kreisen, sondern Sie erbauen und weiterentwickeln.

Ihr Trainer und Coach,
Christian Bott


 
 

Bild von Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay
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Telefon: 06221 18778540 (Bitte zuvor Termin abstimmen)

Christian M. Bott

Fechtmeister ADFD
Speaker & Autor
Personal Coach XPAND
Business Coach MAY
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